Interview-Aussagen von BVB-Profi Thomas Meunier wurden im Internet aus dem Kontext gerissen. © imago images/regios24
Borussia Dortmund

Aussagen von BVB-Profi Thomas Meunier: Viel Wirbel um wenig

BVB-Neuzugang Thomas Meunier gibt ein Interview im belgischen Rundfunk. Das Internet stürzt sich daraufhin auf eine Aussage des Belgiers, die aus dem Kontext gerissen merkwürdig anmutet.

Im Internet geht es manchmal noch schnelllebiger zu als im Fußball. Und nicht selten wird in den Weiten des World Wide Web auch schlimmer Foul gespielt als auf dem Rasen. Der Montag lieferte dafür mal wieder ein gutes und zugleich trauriges Beispiel. Thomas Meunier, belgischer Nationalspieler und seit dieser Saison Rechtsverteidiger bei Borussia Dortmund, hatte dem belgischen Rundfunksender „RTBF“ ein Interview gegeben – und dürfte bei der einen oder anderen Schlagzeile, die im Nachgang daraus produziert wurde, an seinen noch frischen Deutschkenntnissen gezweifelt haben.

Von Meunier wurde ein Eindruck vermittelt, der nicht der Wahrheit entsprach

Denn das Internet stürzte sich vor allem auf eine Aussage des Belgiers, die aus dem Kontext gerissen merkwürdig anmutete. „BVB-Problemfall mit Knall-Ansage – ‚Hälfte des Teams ist mittelmäßig‘“, war im Netz zu lesen. Oder: „Thomas Meunier (BVB) spricht Klartext: Dortmund nur ‚durchschnittlich‘“.

Das klang erst einmal nach mangelnder Selbstkritik, nach Kollegenschelte und Kaderkritik, wahrscheinlich wurde es auch zigtausendfach angeklickt, was im Internet für zu viele Portale die deutlich wichtigere Währung ist als journalistische Sorgfaltspflicht. Doof war nur: Der Eindruck, der in diesem Fall von Meunier vermittelt wurde, entsprach nicht der Wahrheit.

BVB-Rechtsverteidiger Meunier nimmt sich selbst in die Kritik

Denn in Wirklichkeit hatte sich der 29-Jährige durchaus selbstkritisch geäußert. Er müsse „mehr von mir selbst verlangen“, hatte Meunier gesagt und keinen Hehl daraus gemacht, dass es für ihn bei Borussia Dortmund längst noch nicht so läuft, wie er und die Verantwortlichen sich das wünschen würden.

Wörtlich sagte Meunier, und das ist wichtig in dieser Geschichte, er sei „verantwortlich für meine eigene Leistung, aber auf dem Feld spielt niemand alleine“. Er sei aus dem Rhythmus gekommen und gewiss kein Spieler, der auf dem Platz alleine den Unterschied ausmachen könne. Er sei daher auch abhängig von der „Dynamik, die im Team herrscht“. Und dann sagte er: „Deswegen bin ich im Moment mittelmäßig. Aber die Hälfte des Teams ist es auch – und das ist das Problem.“ Der BVB stehe aktuell nicht auf einem Champions-League-Platz in der Bundesliga und sei „nicht in der besten Verfassung“. Die Mannschaft schaffe es zu selten, gemeinsam „den Unterschied auszumachen“.

Sportlich gibt Meunier beim BVB Rätsel auf

Es war also vielmehr eine treffende Analyse der bisherigen Spielzeit, die Meunier lieferte. Dazu passt: Bereits Ende Januar hatte sich Meunier im Interview mit den Ruhr Nachrichten selbstkritisch geäußert. „Der Thomas Meunier, den alle erwarten, der muss ich erst wieder werden“, sagte er damals. „Ich muss an mir arbeiten, das weiß ich selbst.“

Denn bislang gibt der BVB-Neuzugang sportliche Rätsel auf. Meuniers Spiel ist deutlich zu fehlerbehaftet. Zuletzt patzte er beim 2:2 des BVB in Köln schwer, nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Sportlich gibt es freilich Ansätze für fundierte Kritik. Für sein jüngstes Interview im belgischen Rundfunk allerdings mitnichten. Ob es das Internet nun wahrhaben möchte oder nicht.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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