Hans-Joachim Watzke bleibt Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund. © imago / Kirchner-Media
Meinung

Vertragsverlängerung mit Watzke und Co.: Starkes Zeichen in schwierigen Zeiten

Mit der Vertragsverlängerung von Watzke, Treß und Cramer sichert der BVB die strategische und wirtschaftliche Weiterentwicklung des Klubs. Sie ist ein starkes Zeichen in schwierigen Zeiten.

Die Erfolgsgeschichte von Borussia Dortmund nach der Beinnahe-Insolvenz im Jahr 2005 ist untrennbar mit den Namen Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß verbunden. Als dann Carsten Cramer im Oktober 2010 zum BVB stieß, den er zuvor als leitender Angestellter des Sportrechtevermarkters „Sportfive“ und dessen Nachfolger „Lagardère Sports“ schon mehrere Jahre betreut hatte, installierte der Klub einen weiteren Eckpfeiler für die rasante Entwicklung von einem fußballerischen und wirtschaftlichen Sorgenkind der Bundesliga hin zu einem strahlenden Aushängeschild der Branche.

Unter der Führung von Watzke und Co. stieg der BVB zum „Big Player“ auf

Unter der Führung dieses Trio machte Borussia Dortmund Quantensprünge in allen Bereichen. Binnen zehn Jahren baute der BVB Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionen-Höhe ab und war quasi schuldenfrei, übersprang im Umsatz mühelos zuvor unerreichbar scheinende Grenzen und feierte dank kluger und strategischer sportlicher Entscheidungen zwei Meistertitel und zwei Pokalsiege. Der Sanierungsfall stieg zum „Big Player“ in Deutschland auf, Borussia Dortmund war wieder wer. Und den Bayern aus München erwuchs mitten im Ruhrpott ein ernstzunehmender Konkurrent.

Seit 2005 für den BVB verantwortlich: Hans-Joachim Watzke und Thomas Treß. © imago / Thomas Bielefeld © imago / Thomas Bielefeld

Ein Eckpunkt des Erfolgs in Dortmund war auch, wichtige Personalentscheidungen frühzeitig und weitsichtig zu treffen. 2022 drohte zum Jahr des großen Umbruchs in der Spitze des Vereins zu werden, nachdem Sportdirektor Michael Zorc schon frühzeitig angekündigt hatte, zu diesem Zeitpunkt sein Amt zur Verfügung zu stellen und auch Watzkes Vertrag dann endete. Dass nun die oberste Führungsebene geschlossen an Bord bleibt, sichert den schwierigen Übergang in eine Ära ohne Zorc durch Kontinuität auf allen anderen Positionen ab. Und sie gibt dem neuen starken Mann im sportlichen Bereich, Sebastian Kehl, wichtige Rückendeckung – erst recht vor dem Hintergrund so schwieriger wirtschaftlicher Zeiten wie zuletzt vielleicht vor 15 Jahren, als der Borussia das Wasser bis zum Hals stand.

Der BVB kann sich kaum besser aufgestellt fühlen

So schlimm ist es trotz drohender Rekord-Verluste durch die Corona-Pandemie diesmal zwar bei Weitem nicht. Und dennoch: Borussia Dortmund kann sich kaum besser aufgestellt fühlen für kommende Herausforderungen. Watzke ist ein gewiefter Geschäftsmann und einer der profiliertesten Sport-Funktionäre. Treß ist der Wächter über die Zahlen im Hintergrund, der bei der Sanierung eine in der Öffentlichkeit unterdurchschnittlich beachtete, aber dennoch essenzielle Rolle spielte. Und Cramer zeichnete für fast alle werthaltigen Sponsoren-Deals der Premium-Partner (Puma, Opel, Signal Iduna, zuletzt 1&1) verantwortlich, die der Borussia langfristige Planungssicherheit geben.

Carsten Cramer ist seit 2010 beim BVB und seit 2018 Teil der Geschäftsführung. © imago / Kirchner-Media © imago / Kirchner-Media

Watzke hatte zuletzt mehrfach erklärt, das Schiff in unsicheren Corona-Zeiten nicht verlassen zu wollen, Treß vor wenigen Tagen im großen Interview mit den Ruhr Nachrichten betont, keinen Drang zu verspüren, sich beruflich verändern zu wollen. Im Gegenteil: Die Lust, bei Borussia Dortmund etwas zu bewegen und den Klub auf die nächste Entwicklungsstufe zu hieven, scheint ungebrochen groß.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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