Unternehmer und GfG-Chef Hans-Jörg Hübner (stehend) in seiner Dortmunder Produktionsstätte an der Klönnestraße. Mitarbeiter seines Unternehmens müssen ihren privaten kostenlosen Schnelltest einsetzen, wenn sie die Firma betreten wollen. © GfG
Dortmunder Unternehmen

Chef fordert: Mitarbeiter sollen kostenlosen Schnelltest für Firma nutzen

Ein Dortmunder Unternehmer verpflichtet seine Mitarbeiter, den kostenlosen Bürgertest für die Firma zu nutzen. Sonst kommen sie nicht rein. Tests auf Unternehmenskosten sind ihm zu teuer.

Jörg Hübner, Unternehmer und Geschäftsführer der Dortmunder Gesellschaft für Gerätebau (GfG) hat dafür gesorgt, dass im Foyer des Unternehmens an der Klönnestraße immer eine Schale mit Äpfeln steht – für die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Die ist ihm auch in Zeiten von Corona wichtig, doch könnte sie ihn mit Blick auf Schnelltests mehr Geld kosten als die Äpfel.

Deshalb hat Hübner seine Belegschaft per Dienstanweisung aufgefordert, ab Montag (29. März) nur noch mit negativem Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden ist, in den Unternehmenshauptsitz zu kommen. Allerdings soll dieser Schnelltest nicht auf Firmenkosten gehen, sondern die Mitarbeiter sollen dafür den kostenlosen Schnelltest nutzen, den der Bund als sogenannten Bürgertest einmal in der Woche bezahlt.

Wer den Test nicht rechtzeitig vor Dienstantritt machen kann, muss vorher telefonisch Urlaub nehmen oder Gleitzeit beantragen, heißt es in der schriftlichen Dienstanweisung, die dieser Redaktion vorliegt. Gleiches gelte für Mitarbeiter, die erstmalig an einem anderen Wochentag ins Unternehmen kommen.

Schnelltest in der Firma abgesagt

Für die Folgewoche gilt dann wieder, den aktuellen Test am Montag mitzubringen, auch wenn der Test der Vorwoche noch keine sieben Tage zurückliegt. „Das Ziel ist es, keinen positiven Befund nach dem Betreten der GfG zu haben“, so die von Hübner unterschriebene Dienstanweisung. Die Regelung diene zum Schutz der Kollegen und der GfG.

Die Fürsorge Hübners für seine Mitarbeiter habe aber in der vergangenen Woche noch anders geklungen, teilte ein Insider mit. Danach sollte jeden Donnerstag ein externer Tester ins Haus kommen und bei jedem Mitarbeiter einen Schnelltest machen. Doch als Hübner gewahr geworden sei, dass er selbst dafür zahlen müsste, habe es keine Testungen gegeben.

Hans-Jörg Hübner steht dazu. Auf Anfrage sagt er: „Das hätten wir tragen müssen. Das hätte 2000 Euro in der Woche gekostet. Die Mitarbeiter haben ja die Möglichkeit, sich privat kostenlos testen zu lassen.“ Er sehe die Tests nicht nur zum Schutz der Firma, sondern zum Schutz der 130 Mitarbeiter und ihrer Familien.

„Ohne Test keine Arbeit und ohne Arbeit keinen Lohn“

Drei Mitarbeiter, so Hübner weiter, wollten auf keinen Fall ihren kostenlosen Bürgertest dafür verwenden. Er aber habe ein aktuelles Schreiben des Verbandes deutscher Arbeitsrechts-Anwälte auf dem Tisch mit der verkürzten Formel: „Ohne Test keine Arbeit und ohne Arbeit keinen Arbeitslohn.“

Er hätte auch Selbsttests – nicht zu verwechseln mit den Schnelltests durch medizinisches Personal –, zur Verfügung gestellt, doch der Bedarf sei „sehr eingeschränkt gewesen“, sagt der 70-jährige Firmeninhaber: „Ich habe keinen gefunden, der anderen in der Nase bohren wollte.“

Zudem gebe es in Dortmund mehr als 100 Teststellen, führt Hübner an. Von Apothekern will er erfahren haben: „Die könnten mehr Frequenz gebrauchen.“

Noch keine Pflicht für Schnelltests in Unternehmen

Noch gibt es keine bundesweit verpflichtenden Schnelltests in Unternehmen. Doch die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft BDA, BDI, DIHK sowie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) appellieren an die Betriebe, ihren Beschäftigten mindestens einmal in der Woche Selbsttests, und wo dies möglich ist, Schnelltests anzubieten, um Infektionen frühzeitig zu erkennen.

Auch die Unternehmensverbände für Dortmund und Umgebung haben sich diesem Appell angeschlossen, Adressen zur Beschaffung von Schnell- und Selbsttests sowie Musterbetriebsvereinbarungen verschickt. „Das ist sehr gut von den Unternehmen angenommen worden“, berichtet Geschäftsführer Ernst-Peter Brasse: „Da lautete eher die Frage: Mach ich das einmal oder zweimal in der Woche?“ In der Geschäftsstelle der Unternehmensverbände selbst wird montags und donnerstags getestet.

1000 Euro extra, wenn man keinen Tag fehlt

Hans-Jörg Hübner ist kein Mitglied bei den Unternehmensverbänden für Dortmund und Umgebung. Er meint, er gehe mit seinen Mitarbeitern viel besser um als andere Unternehmen. Wenn die GfG Gewinne mache, schütte er jedes Jahr freiwillig 200.000 Euro an seine Belegschaft aus. Und wer grundsätzlich gesund sei und keinen Tag im Jahr wegen Krankheit fehle, erhalte 1000 Euro jährlich obendrauf.

Neben den Schnelltests gibt es aktuell auch keine Äpfel im GfG-Foyer. Wegen Corona. „Als ich nach Weihnachten in die Firma zurückkam, waren die Äpfel plötzlich weg“, erzählt er. „Wo sind die Äpfel?“, habe er gefragt und erfahren müssen, dass man sich auch durch Kontakt über Äpfel mit dem Coronavirus anstecken könne.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt