Mit der Fotokamera spürt Heribert Niehues verlassenen Orten in den USA nach. © Privat
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Halterner schießt faszinierende Fotos von verlassenen Orten

Seine Fotos haben inzwischen mehrere internationale Preise gewonnen: Der gebürtige Halterner Heribert Niehues sucht mit seiner Kamera nach Spuren der „Poesie der Vergänglichkeit“.

Seit Jahren spürt Heribert Niehus verlassene Orte in den USA auf und setzt sie stimmungsvoll fotografisch in Szene. Sein aktueller Bildband „Poesie der Vergänglichkeit“ wurde gerade auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin als bester Reisebildband des Jahres ausgezeichnet. Die Wurzeln des Dokumentarfotografen liegen in Haltern.

Heribert Niehues wurde 1951 in Hullern geboren. „Da bin ich auch drei Jahre zur Schule gegangen, damals gab es da nur drei Lehrer und wir saßen in Klassen, in denen alle Altersstufen vertreten waren“, erinnert er sich.

Freundin war das erste Lieblingsmotiv

Dann siedelte die Familie nach Marl um, weil Niehues‘ Vater bei den damaligen CWH eine Anstellung fand und die Familie in eine Werkswohnung ziehen konnte. Heribert Niehues begann beim VW Autohaus Tenwinkel eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und besuchte dann nach der Bundeswehrzeit die Technikerschule in Essen. Nach Tätigkeiten für ein Bochumer Ingenieurbüro arbeitete er 30 Jahre im Konstruktionsbüro der Veba-Chemie in Herne, die später auch zum Verbund des Marler Chemieparks gehörte.

Vergessene Autos sind ein Lieblingsmotiv des gelernten Kfz-Mechanikers.
Vergessene Autos sind ein Lieblingsmotiv der gelernten Kfz-Mechanikers. © Heribert Niehues © Heribert Niehues

Nach der Technikerschule erwachte sein Interesse an der Fotografie. Heribert Niehues wohnte in Haltern-Lippramsdorf. „Meine damalige Freundin war mein Lieblingsmotiv“, sagt er und schmunzelt. Aber er suchte auch nach stimmungsvollen Hintergründen in der Umgebung, in denen er sie in Szene setzte.

„So richtig los ging es mit einer Auslandsreise 1981 auf die Philippinen“, erinnert sich Heribert Niehues. „Ich merkte, wie viel Spaß es macht, schöne Momente fotografisch zu fixieren.“

„Ich kam an keinem rostigen Kotflügel vorbei“

Diese Leidenschaft ließ ihn nicht mehr los. Heribert Niehues kaufte seine erste Spiegelreflexkamera, richtete sich später ein eigenes Schwarz-Weiß-Fotolabor ein. Erste Fotos veröffentlichte er ab Anfang der 90er-Jahre in Zeitungen, bald gewann er erste Fotopreise und seine Bilder erschienen in renommierten Zeitschriften, wie der Foto-Fachzeitschrift Color-Foto.

Alte Autos, das waren seine Lieblingsmotive in den ersten Jahren. „Da schließt sich der Kreis zu meinem ersten Beruf“, sagt Niehues. Mehrfach reiste er in den Folgejahren in die USA und begab sich intensiv auf Spurensuche. „Ich kam an keinem rostigen Kotflügel vorbei“, sagt er. Die Ausbeute seiner Fotoexpeditionen mündete in seinem ersten Fotoband „Rost in Peace“, der 2016 im Delius Klasing Verlag erschien.

Heribert Niehues sind faszinierend stimmungsvolle Bilder gelungen, die mehrfach auch international  ausgezeichnet wurden.
Heribert Niehues sind faszinierend stimmungsvolle Bilder gelungen, die mehrfach auch international ausgezeichnet wurden. © Heribert Niehues © Heribert Niehues

Derselbe Verlag brachte 2020 Heribert Niehues‘ zweiten Fotoband heraus: „Poesie der Vergänglichkeit“, der inzwischen mehrere internationale Preise einheimste. Diesmal stehen nicht nur Autos im Mittelpunkt, Heribert Niehues spürte zahlreiche „Lost Places“ auf, verlassene und verlorene Orte, vor allem im mittleren Westen der USA zwischen North Dakota und New Mexiko, Regionen, die zum Teil von wirtschaftlichem Niedergang gezeichnet sind.

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Die schönsten Fotos von Heribert Niehues

„Man steht im Staub der Geschichte“

„Man steht hier manchmal im Staub der Geschichte“, sagt er. „Man ahnt, dass sich da manchmal Dramen abgespielt haben müssen, wenn man noch die Anzüge im Schrank oder die Krawatten auf dem Bügel in einem seit langem verlassenen Haus entdeckt“, sagt er. Heribert Niehues hat Häuser und Ortschaften besucht, die seit Jahren und Jahrzehnten kein Mensch mehr betreten hat. Gelegentlich musste er sich den Fragen kritischer Nachbarn stellen, die wissen wollten, was er da so treibt. „Einmal bekam ich auch Besuch vom Sheriff“, sagt er. „Aber als ich meine Kamera vorgezeigt habe, war alles wieder ok.“

Herbert Niehues ist, begleitet von seiner Frau, mit zwei Nikon-Spiegelreflexkameras und Objektiv-Equipment unterwegs. „Ich schleppe immer noch das ganze Zeug mit mir rum“, sagt er. Gelegentlich übernachtet er in Motels, um auf das richtige Licht für seine Bilder zu warten, die meistens ohne Stativ aus freier Hand „geschossen“ werden und vor allem durch ihre Lichtstimmung und Tiefenschärfe verblüffen.

Der Bildband „Poesie der Vergänglichkeit“ enthält 200 Farbfotos. Er ist im Buchhandel für 49,90 Euro erhältlich. Kürzlich hat ein amerikanischer Verlag die Lizenzrechte erworben und wird den Bildband auch in den USA und Kanada herausbringen.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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